6. Woche: Mit sanften Tönen

Der Geist des Herrn hatte Saul verlassen. Von Zeit zu Zeit quälte ihn aber ein böser Geist, der seine Stimmung verfinsterte. Auch der kam vom Herrn … Sooft aber der böse Geist Gottes über Saul kam, nahm David die Harfe zur Hand und spielte. Da konnte Saul befreit aufatmen und es ging ihm besser. Denn der böse Geist hatte ihn verlassen. (1. Samuel 16,14.23 aus der Basisbibel.)
Kaja Grope

Hören Sie hier den gesamten Text, vorgelesen von Helge Heynold.

Liebe Be- und Entgeisterte,

hätten Sie das gedacht? Dass es einen „bösen Geist Gottes“ gibt? Ich muss zugeben, mich hat es ziemlich umgehauen, das zu lesen. Der Geist Gottes ist doch so etwas Schönes. Er macht lebendig, spornt an, lässt Frühling werden und nicht Winter. Ist Gottes Geist nicht der Atem? Ruach? Die Geistkraft? So steht es doch zum Beispiel in Psalm 104,30: „Schickst du deinen Lebensatem aus, dann wird wieder neues Leben geboren. So machst du das Gesicht der Erde neu.“ Aber anscheinend hat Gott andere, böse Geister parat.

Der gute Geist Gottes hat Saul, den König Israels, verlassen. Der Grund ist dieser: Saul hatte einen Befehl Gottes nicht vollständig ausgeführt. Darum beschloss Gott, jemand anderen anstelle von Saul zum König über sein Volk zu machen. Er schickte den Propheten Samuel zu Isai, um einen von dessen Söhnen zum kommenden König zu bestimmen. So wurde der noch junge, Harfe spielende Hirte David zum designierten König gesalbt. Und in dem Moment, als das Öl in Bethlehem über Davids Kopf rinnt, heißt es: „Da kam der Geist des Herrn zu David an diesem Tag und auch in Zukunft.“ Entsprechend verlässt der Geist Saul. Aber nicht genug damit, dass Gott bereits einen neuen König gesalbt hat und ihm seinen Geist schenkt, nun bekommt Saul auch noch einen bösen Geist von Gott, der ihn quält.

Und damit beginnt die Geschichte, deren erster und letzter Satz für diese Fastenwoche ausgesucht ist. Es ist eine Geschichte von menschlicher Solidarität im Kampf gegen böse Geister, selbst wenn die von Gott geschickt werden. Die Diener von Saul erkennen, dass ein böser Geist das Gemüt ihres Königs verfinstert. Sie schlagen ihm darum vor, einen Musiker zu engagieren, der dagegen anspielt. Saul stimmt der Idee zu, und einer von den Jugendlichen meldet sich. Er kenne da einen in Bethlehem, der wirklich gut ist auf seinem Instrument. Klug ist er, mutig und sieht auch noch gut aus. Saul schickt also einen Boten zu Isai, dass er seinen Sohn David zu ihm senden soll. Isai gibt David noch Brot, Wein und eine Ziege mit und schickt ihn dann zu Saul. Saul gewinnt David augenblicklich lieb und macht ihn zu seinem Vertrauten. Isai lässt er ausrichten, dass David bei ihm bleiben wird. Und es klappt tatsächlich: David spielt auf seiner Harfe und der böse Geist, den Gott geschickt hat, muss für eine Weile verschwinden.

Mir gefällt diese Geschichte nicht zuletzt deswegen so gut, weil hier Menschen aus eigenem Antrieb einander helfen, ohne dass Gott es ihnen befiehlt. Gut, man kann einwenden, dass auf diese Weise David ja auch an den Hof von Saul kommt, und das muss er ja auch, damit er einmal wirklich selbst König werden kann. Aber in diesem Moment tun David und Saul im Grunde genommen etwas, das Gott nicht gefallen sollte. Gott hat seinen Geist von Saul an David gegeben, und nun kommt David, beseelt mit diesem Geist, an, um den bösen Geist, den Gott für Saul vorgesehen hatte, zu bekämpfen. Menschliche Solidarität gegen eine Gemeinheit Gottes – und das in der Bibel und ohne dass Gott sich darüber ärgern würde.

Ich erkläre mir das so: Wo Menschen einander helfen, ist Gott so zufrieden, dass ihm alles andere als nicht so wichtig erscheint. Lassen wir uns das einmal auf der Zunge zergehen. Wenn wir gut miteinander umgehen, ist Gott zufrieden. Dann gilt nicht, was Gott sonst will, nur noch das. Muss das dann nicht heißen: Wo immer sich gläubige Menschen gegen angeblich gottgewollte Ungerechtigkeit oder Grausamkeit stellen, sind sie auf der richtigen Seite? Selbst wenn Gott es tatsächlich so will, wenn Gott persönlich einen bösen Geist in jemanden geschickt hat, hat er nichts dagegen, wenn wir zusammenhalten und einander schlicht Gutes tun.

Also los, tun wir einander Gutes! Nutzen wir die Musik dazu. Die ist bestens geeignet. Ich erinnere mich, dass ich schon einmal diese Wochenaufgabe gestellt habe, aber das soll uns nichts ausmachen. Schicken Sie Ihren liebsten Musiktitel, der zuversichtlich macht und böse Geister vertreiben kann, an musik@muchlinsky.de. Am besten – aber nicht notwendigerweise – versehen Sie den Titel gleich mit dem entsprechenden Link auf ein Youtube-Video. Wir werden aus den eingehenden Musikstücken eine Playlist erstellen und veröffentlichen, damit alle sie hören und genießen können. Schicken Sie bitte nur jeweils einen Musikvorschlag.

Außerdem habe ich noch einen passenden Tipp für Sie, der Ihnen ebenfalls guttun kann. Die chrismon-Redaktion hat sich einen neuen Newsletter ausgedacht. Sie kennen vielleicht schon den vom letzten Jahr: „Einatmen – Ausatmen“. Seit zwei Wochen gibt es „Bei aller Liebe“. Der Newsletter erzählt von besonderen Liebespaaren, gibt Ratschläge für den Beziehungsalltag und verrät neue Erkenntnisse aus der Paartherapie. Sie können ihn kostenlos abonnieren. Hier geht’s zur Anmeldung.

Haben Sie es gut. Tun Sie einander gut.

Ihr Frank Muchlinsky