Aktionsarchiv

Seit 1983 lädt die evangelische Kirche zur Fastenaktion "7 Wochen Ohne" ein, mittlerweile machen Millionen Menschen mit. Hier finden Sie die Themen und Aktionsmotive vergangener Fastenzeiten.
Augenblick mal! Sieben Wochen ohne sofort!
Aktionsmotiv 2017

Mike Schaefer/plainpicture

Augenblick mal! Sieben Wochen ohne Sofort! Was soll denn das? Genau! Pause. Und dann? Mal durchatmen.

Die Ungeduld gilt als ein Symbol der Moderne. Man darf vieles verlieren – nur nicht die Zeit. Gut also, dass ich meine Post nicht mehr zu Hause am Tisch lesen muss, nachdem ich – gefühlt stundenlang! – auf die Briefträgerin gewartet habe. Nein, die Mails lese ich an der Ampel auf meinem Smartphone. Und antworte noch auf dem Parkplatz vor dem Haus. Sofort!

„7 Wochen Ohne“ möchte 2017 eine Kur der Entschleunigung anbieten. Alles hat seine Zeit, verspricht uns der Prediger in der Bibel (dazu Woche 1).

Zeit für schwierige Entscheidungen, die kleinen und die großen (Woche 2). Zeit, den Menschen im anderen zu sehen, etwa in der Schlange im Supermarkt, auch wenn man es eilig hat. Und dort vielleicht ein Bibelwort neu verstehen zu lernen: „So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“ (Woche 4) – Zeit, wenn etwas schiefgeht, nicht gleich loszu¬poltern, sondern noch mal durchzuatmen. Statt den Zeigefinger mit der „Du bist schuld!“-Tirade auszufahren, lieber die ganze Hand ausstrecken, zuhören und vergeben (siehe Woche 5). Und: Nicht sofort aufgeben! Wenn es nicht mehr weitergeht, einmal Pause machen, eine Tasse Tee trinken, nachdenken: Zeit, den Dingen und sich selber eine zweite Chance zu geben (dazu Woche 6).

Dieses Innehalten hat uns Gott ganz am Anfang in unsere Zeitrechnung geschrieben: Den siebten Tag segnete der Schöpfer – und ruhte. Dazu sind wir auch eingeladen, jede Woche: Gottes Zeit feiern – ¬bevor es wieder Alltag, wieder spannend wird. Mal nicht funktio¬nieren, nicht Maschine sein, sondern Mensch (Woche 7). Das musste sich übrigens auch die fleißige Marta von Jesus sagen lassen: Sie hatte ihre Schwester Maria angemault, weil die nicht in der Küche half, sondern mit Jesus rumsaß und sich unterhielt. Und Jesus sagte: „Maria hat den guten Teil erwählt.“ (Woche 3)

Greifen auch Sie zu: Augenblick mal! Sieben Wochen ohne Sofort!

Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge
Aktionsmotiv 2016

Kim Keibel

wenn etwas von Herzen kommt, dann geht es meistens ums Ganze: aus vollem Herzen singen, von ganzem Herzen lieben, mit ganzem Herzen bei der Sache sein... Das Herz ist als Organ der Kleinlichkeit nicht geeignet, es lebt die Fülle und die Weite! Und es gibt der Barmherzigkeit ihren Namen.

Unser Herz bleibe der offene Ort des Mitmenschlichen. Wenn es sich nicht verhärtet und verschließt, hat es viel Platz für andere. So können wir einander ins Herz schließen, können teilen, gönnen und verzeihen.

Diesem leidenschaftlichen Organ wollen wir in der Fastenzeit unsere Aufmerksamkeit widmen: „Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge“, unter diesem Motto laden wir Sie ein zu entdecken, was Ihr Herz weit macht.

Einfach mal jemanden einladen, den wir noch nicht kennen. Und einander mit Neugier und ohne Vorbehalte begegnen. Teilen, was da ist, und erleben, dass es für alle reicht. Dass da immer noch Platz ist, wenn jemand hinzukommt. „Sieh das mal nicht so eng“, sagen wir, und es lohnt den Versuch. Sich über das Glück der anderen freuen – und lachen können über den eigenen Neid. Nicht mehr aufrechnen, was war – und Vergebung schenken.

Diese innere Weite öffnet den Blick nicht nur für den Nachbarn jenseits des Gartenzauns, sondern auch für den Flüchtling, der von weit her kommt. Wir können Wohnraum, Arbeit und sogar Heimat teilen. Ein großes Herz taugt als guter Gastgeber und Dolmetscher, der enge Grenzen überwindet.

Wir können dabei aus der Fülle schöpfen, denn unser großes Herz ist gehalten in Gott. Wir müssen nicht immer sorgen und rechnen, denn: „Gott kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk“ (2 Kor 9,8).

Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen
Aktionsmotiv 2015

Silke Weinsheimer

alles so schön, rund herum: Von der Shampoo­flasche bis zum Geräusch beim Schließen einer Autotür wird heute alles gestaltet, designt, um zu gefallen. Und die ästhetische Perfektion des bunten Warenkosmos gilt längst auch für Menschen: kaum mehr eine Körperzone, die nicht für Optimierung infrage käme.

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Studien zufolge empfinden die meisten Menschen eben­mäßige Züge und harmonische Formen als schön. Die Lebenserfahrung aber zeigt, dass es das Eigenwillige und Besondere ist, was wir ins Herz schließen: die Zahnlücke, die beim Lächeln sichtbar wird, den Hund mit dem ewig abgeknickten Ohr, den Humor der Kollegin.

In der Fastenzeit 2015 möchten wir mit „7 Wochen Ohne“ das Unverwechselbare entdecken und wertschätzen. „Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen“ lautet das Motto. Wir laden Sie ein, aus vollem Herzen zu sagen: „Du bist schön!“ – zum Menschen an Ihrer Seite wie auch dem eigenen Spiegelbild. Und sieben Wochen lang soll gelten: „ohne Runter­machen!“ Halten Sie inne, wenn Sie am eigenen Körper mal wieder Abweichungen von der Traum­figur feststellen, wenn Sie Ihrem Nachwuchs die exotische Frisur verübeln oder dem Nachbarn den Gesang unter der Dusche.

Wir wollen die Schönheit suchen, würdigen und feiern, vor allem da, wo sie sich nicht herausputzt und in Pose wirft. Und wo wir sie gelegentlich über­sehen: weil sie nicht den gängigen Maß­stäben entspricht oder einfach weil wir mit der eigenen Selbst­optimierung beschäftigt sind. Was verstellt uns immer wieder den Blick für die Pirouetten der Natur, die schönen Schnörkel des Alltags und den liebenswerten Wirbel in der Stirn unserer Liebsten?

„Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an“, weiß die Bibel. Aber auch unser Herz sieht sehr gut: „Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet“ (Chris­tian Morgenstern). Diesen Blick wollen wir schulen und das Herz öffnen für die Schönheiten jenseits der Norm. Gönnen Sie den Unscheinbaren einen liebevollen Blick, den Zaghaften eine Bühne und bewundern Sie die wundervoll (un)vollkommenen Gesichter und Werke Ihrer Nächsten.

Wir sind umgeben von Ebenbildern Gottes, Sie können sie leuchten sehen!

Selber denken! Sieben Wochen ohne falsche Gewissheiten
Aktionsmotiv 2014

Katrin Binner

Immer auf das Bauchgefühl zu hören, das gilt als unreflektiert. Auf unseren Kopf verlassen wir uns dagegen ganz gerne. Wer vor dem Reden das Gehirn einschaltet, wie es ein alter Kalauer empfiehlt, weiß, was er sagt und tut.

Das aber ist gar nicht so gewiss: Wie viele ungeprüfte Gemeinplätze lagern da so in unserem Oberstübchen? Worauf berufen wir uns, wenn wir bekannte Regeln und Argumente zitieren? Bahnfahren ist ökologisch sauberer als Autoverkehr, Kinder verbringen zu viel Zeit am Bildschirm und von Süßigkeiten bekommt man Pickel – das klingt alles richtig und ist schnell mehrheitsfähig. Aber stimmt das – und wie will ich das selber handhaben?

Selber denken! 7 Wochen ohne falsche Gewissheiten – das Motto klingt so selbst­verständlich, erweist sich aber in der Praxis als Herausforderung. Denn wenn wir uns in der Fastenzeit darin üben wollen, geht es nicht um sieben Wochen Vernunftherrschaft. Es kann, im Gegenteil, ganz schön unvernünftig sein, selber zu denken. Das Bild vom „Denken ohne Geländer“ hat Hannah Arendt geprägt. Es kann nämlich durchaus gefährlich sein, Denkverbote zu ignorieren und den Chef auf einen Fehler hinzuweisen. Mut braucht es auch, Gewohnheiten und Traditionen infrage zu stellen – im Job, in der Familie oder in der Kirche. Und wer gern nörgelt über zu wenig Grün in der Stadt oder blöde Kandidaten zur Wahl, sollte mal den Zuschauerraum verlassen und selber etwas auf die Beine stellen. Dafür muss man den eigenen Kopf gebrauchen – und zunächst mal einen haben!

Das Geländer vermeintlicher Gewissheiten, kritisch geprüft, erweist sich gelegentlich als morsch – und verzichtbar. Das können wir riskieren, weil wir uns auch freihändig gehalten wissen dürfen: Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!, ruft Paulus seinen Gemeinden zu (Gal 5,1). In dieser Freiheit können sich nicht nur neue Denkräume öffnen, sondern auch Spielraum für Worte und Taten.

So geht es dabei um einen neuen, eigenen Blick auf die Dinge – um vielleicht denkend sich selber und die Welt neu zu entdecken. In gut aufklärerischer Tradition heißt das: „Ich denke, also bin ich“ (René Descartes). Die Bibel benennt es noch existenzieller: Mehr als auf alles andere achte auf deine Gedanken, denn sie entscheiden über dein Leben (Sprüche 4,23). Wir wünschen Ihnen dafür Entdeckergeist, Ketzermut und viel Freude an eigenen Denk-Abenteuern!

Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht
Aktionsmotiv 2013

Paula Winkler

Immer wieder haben wir Sie in den vergangenen Jahren dazu aufgefordert, Bewährtes außer Acht zu lassen und den Alltag mal ganz anders aufzuziehen. Dieses Jahr, so mag der eine oder die andere meinen, haben wir’s wirklich übertrieben. „Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht“, das klingt wie der Auftrag zu Leichtsinn und Rabaukentum. Wir wissen uns damit aber in bester Gesellschaft.

In der Bibel wimmelt es von unvorsichtigen Männern und Frauen. Menschen, die übers Wasser laufen, Hochschwangeren, die auf Reisen gehen, ohne auch nur ein Hotel zu buchen. Da sind Leute, die von jetzt auf gleich Job, Haus und Hof verlassen, mittellose Witwen, die mächtigen Richtern auf den Wecker gehen, und ein unstudierter Wanderprediger, der es sich mit Staat und Klerus gleichzeitig verscherzt. Ratgeber, die vor Genmais und Finanzfallen warnen, vor Abenteuern, Karies und Taschendieben, gibt es genug. Jenseits dieser Hochsicherheitszonen aber liegt jede Menge Leben. Wer mehr riskieren will, muss keinen Extremsport betreiben oder ohne Sinn und Verstand an der Börse spekulieren.

Wir laden Sie ein, sich von den Hasardeuren der Bibel inspirieren zu lassen und gelegentlich auf die Fangnetze und doppelten Böden im Leben zu verzichten. Es reichen die kleinen Wagnisse, um etwas in Bewegung zu bringen: einmal freihändig balancierend etwas Neues ausprobieren, ein offenes Wort wagen und den folgenden Streit riskieren, festhalten an dem, was Ihnen wichtig ist, auch wenn die Idee scheinbar chancenlos ist.

Darum – Sie ahnen es bereits – riskieren wir bewusst was mit diesem Motto der Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ 2013. „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist“, heißt es in Josua 1,9. Wir freuen uns, dass Sie so unverzagt sind und mitmachen!

Gut genug! Sieben Wochen ohne falschen Ergeiz
Aktionsmotiv 2012

Sebastian Arlt

"Jeden Tag ein bisschen besser“ – mit diesem Slogan preist nicht nur die Werbung ihren Ehrgeiz. Auch Eltern, Lehrer, Arbeitgeber könnten in das Credo einstimmen. Nach den jüngsten Erfolgen werden immer gleich die neuen Ziele ausgerufen. Was gestern gut war, muss morgen überboten werden: Die Skala ist nach oben immer offen. Jeder könnte ­besser, schneller, attraktiver sein.

Karriere, Körper, gut gepflegte Netzwerke – alles Aktivposten in einem Leben voller ­Potenziale und Optionen. Bildung, Schönheitsbehandlungen, Therapien: ein Heer an Dienstleistern steht bereit, um aus uns allen das Letzte rauszuholen. Das Bekenntnis zu Grenzen und Schwächen käme einer Bankrotterklärung der eigenen Chancen gleich.

"Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz“, das klingt auf diesem Hintergrund wie eine Aufforderung zum Scheitern, ein Lockruf der Sünde in einer optimierten Welt. "Gut ­genug!“, lautet die Botschaft, die wir Ihnen dafür mit auf den Weg geben. Sieben Fastenwochen lang dürfen Sie’s gut genug sein ­lassen und den Blick schulen für den Punkt, wo’s reicht. Darf Zufriedenheit aufkeimen mit dem Gegebenen, dem Geschenkten. Darf Wissen aufleuchten um die Unverfügbarkeit des Glücks.

Als Christen ist uns gesagt: Jenseits allen ­Werkelns hat der Mensch einen Wert an sich. Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt, so besingt Psalm 8 Gottes gute Schöpfung, den Menschen. "Gut genug!“ – damit stimmen wir ein in dieses Lob und entdecken die Gnade, mit der wir gesegnet sind.

Ich war´s! Sieben Wochen ohne Ausreden
Aktionsmotiv 2011

Jan von Holleben

Der Ehrliche ist immer der Dumme – diese Alltagsweisheit bringt es auf den Punkt: Wer nicht schummelt und trickst, sondern ehrlich zu Fehlern und Schwächen steht, zieht den Kürzeren. Die Anlässe für die kleinen und großen Bluffs sind Legion. Nicht nur in Bewerbungs­schreiben oder Steuererklärungen wird die Wahrheit gern "gerundet“ präsentiert, auch Missgeschicke und Rücksichts­losigkeiten im Miteinander kaschiert man gern mit einer guten Story zugunsten des eigenen Rufs. Und wie steht es erst bei Fehlern von großer Tragweite? Kaum ein Verursacher hebt die Hand, ruft: "Ich war’s“ und übernimmt die Verantwortung. Wär’ ja auch schön blöd, oder? Wir behaupten mindestens sieben Wochen lang das Gegenteil – und laden Sie dazu ein, es auszuprobieren. Denn all die leichthin formulierten Halbwahrheiten haben ihren Preis. Wer sich mit Ausreden aus einer misslichen Lage befreit, vertuscht damit nicht nur seine Fehler, sondern auch immer ein bisschen sich selbst. Er stiehlt sich nicht nur aus der Verantwortung, er stiehlt sich auch selbst die Verantwortung – und bringt sich damit um die eigenen Handlungsoptionen. Wer nicht aufrichtig zu seinen Taten stehen kann, dem kommt mitunter der aufrechte Gang ganz abhanden.

Wir schlagen daher vor, das Motto "Ich war’s! Sieben Wochen ohne Ausreden“ durchaus als Befreiungsschrei zu proben. Gönnen Sie sich die Ehrlichkeit, genauso gut oder schlecht dazustehen, wie Sie den Alltag eben so meistern. Auszusteigen aus dem Schwarzen-Peter-Spiel. Und Ihre Mitmenschen mit genau der Großzügigkeit und Nachsicht zu behandeln, die ihnen Gleiches erlaubt. "Was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache“, schreibt Paulus an die Korinther (1. Kor 1,27). Damit hat der ehrliche Dumme einen starken Partner, der für ihn einsteht.

Legen Sie los – wann sagen Sie das erste Mal: "Ich war’s“?

Näher! Sieben Wochen ohne Scheu
Aktionsmotiv 2010

Katja Hoffmann

Unsere vernetzte Welt bietet widersprüchlichen Luxus: Kommunikation rund um die Uhr, ohne unbedingt zu wissen, mit wem; Kontakte rund um den Globus, aber nicht mit den eigenen Nachbarn.

Die virtuellen Verknüpfungen im globalen Dorf machen vieles schneller, einfacher und bequemer – aber die Wege zueinander werden doch nicht kürzer. Will ich den anderen wirklich erreichen, dann ist das immer noch Handarbeit. Gemeinschaft lebt von der Begegnung – von Angesicht zu Angesicht, mit offenem Visier, ohne doppelten Boden.

Die Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ im Jahr 2010 will Sie ermuntern zum Wagnis und zum Luxus leibhaftiger Nähe. Sie will Raum schaffen, Ihnen Worte und Bilder mit auf den Weg geben, für ein Streitgespräch, einen Krankenbesuch oder eine überfällige Liebeserklärung. Für alles, was nicht in eine SMS oder E-Mail passt. "Näher!", lautet unser Lockruf, mit dem wir Sie einladen, Robinson’sche Einsam­kei­ten aufzugeben, Bündnisse auszuhandeln, Über­raschungsbesuche zu machen, ­ein­­geschlafene Kontakte aufzuwecken und einander die Freundschaft zu erklären. Wagen Sie sich aus der Deckung und richtig nah dran, kosten Sie beides aus: die Gänsehaut des Genusses wie der Gefahr. Erkunden Sie die eigenen Grenzen wie auch die Ihrer Nächsten, ignorieren Sie sie nicht, aber prüfen Sie eine Verlegung: hin zu mehr Berührung, mehr Begegnung, mehr Zusammen.

"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei" – das ist Gottes Absicht und zugleich ein Segen. Als gottebenbildliche Geschöpfe sind wir zutiefst gesellig. Lassen Sie sich das in der Passionszeit gesagt sein – und sagen Sie es weiter –, gönnen Sie sich und anderen sieben Wochen ohne Scheu.

Sich entscheiden! Sieben Wochen ohne zaudern
Aktionsmotiv 2009

Anja Lehmann

Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, ein Kind in die Welt zu setzen? Sollte man nicht zuerst einen sicheren Job haben und eine vernünftige Wohnung? Und überhaupt: Ist die Partnerin oder der Partner dafür richtig? Und wann ist der Tag gekommen, über das Wohnen im Alter nachzudenken? Hat das nicht noch viel, viel Zeit? Patientenverfügung, Testament? Nutzen Sie die kommenden sieben Wochen der Fastenzeit, um sich darüber klarzuwerden, wie Sie sich vom Ballast vor sich her geschobener Entscheidungen befreien können. Fassen Sie Mut, sich zu bekennen. Werden Sie sich dabei bewusst, dass die Gnade Gottes größer ist als alle Vernunft. Oder wie es Paul Gerhardt formuliert hat:

Unverzagt und ohne Grauen
soll ein Christ, wo er ist,
stets sich lassen schauen.
Wollt ihn auch der Tod aufreiben,
soll der Mut dennoch gut
und fein stille bleiben.

Es geht nicht darum, Dinge nassforsch übers Knie zu brechen. Manchmal ist es der schwerste Entschluss, sich selbst gegenüber zuzugeben, dass man sich der Qual des Abwägens aussetzen muss, anstatt den unangenehmen Fragen einfach auszuweichen. Wer verantwortungsbewusst leben möchte, muss auf das Ergebnis seines Handelns achten und möglicherweise Versuchungen und Verlockungen widerstehen, muss es sich schwermachen.

Die Lebenserfahrung wie auch zahlreiche biblische Schilderungen belegen: Verantwortete Entscheidungen machen frei.

Ja und Nein sagen, den nächsten Schritt machen, Abschied nehmen von längst als falsch Erkanntem öffnet neue Horizonte und lässt uns Vertrauen in die Kraft Gottes gewinnen. Zaudern Sie nicht!

Verschwendung! Sieben Wochen ohne Geiz
Aktionsmotiv 2008

Silke Wernet

Einige von Ihnen werden vom Motto für „7 Wochen Ohne“ 2008 freundlich gesagt etwas irritiert gewesen sein. Eine Fastenaktion fordert zum Verschwenden auf? In der Unterzeile "Sieben Wochen ohne Geiz" steckt die Antwort. Das neue Kuratorium der Aktion hat sich für "Verschwendung!" entschieden, weil die Menschen in unserer Welt dringend einen Frühling der Herzen brauchen. Die ständigen Fragen – was bringt es mir? was nützt es? –, die Erwartung, dass man für heute Investiertes schon morgen Erträge bekommen müsse, tötet jede spontane Geste. Eine geizige Welt schliddert in eine zweite, in eine soziale Klimakatastrophe – außen die Erderwärmung, innen die Eiszeit kalter Berechnung.  Wenn alle aufhören, mit ihren Gaben zu geizen – seien sie materieller, seelischer oder geistiger Art –, dann taut das Eis in den Herzen.

Wer den Weg Jesu von Kanaan nach Golgatha begleitet, wird rasch erkennen, was das Göttliche im Menschen ist.

Verschwenderische Liebe nährt. Also: Fasten Sie und verschwenden Sie Zeit an Ihre Freunde, verschwenden Sie Ihr Geld für eine gute Sache, verschwenden Sie Liebe, genießen Sie, bleiben Sie genießbar.