Fastenmail: Woche 5 „Geht doch!”

Paulina Hildesheim

So zog Abram herauf aus Ägypten mit seiner Frau und mit allem, was er hatte, und Lot mit ihm ins Südland. Abram aber war sehr reich an Vieh, Silber und Gold. Und er zog immer weiter vom Südland bis nach Bethel, an die Stätte, wo zuerst sein Zelt war, zwischen Bethel und Ai, eben an den Ort, wo er früher den Altar errichtet hatte. Dort rief er den Namen des HERRN an. Lot aber, der mit Abram zog, hatte auch Schafe und Rinder und Zelte. Und das Land konnte es nicht ertragen, dass sie beieinander wohnten; denn ihre Habe war groß und sie konnten nicht beieinander wohnen. Und es war immer Zank zwischen den Hirten von Abrams Vieh und den Hirten von Lots Vieh. Es wohnten auch zu der Zeit die Kanaaniter und Perisiter im Lande. Da sprach Abram zu Lot: Es soll kein Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder. Steht dir nicht alles Land offen? Trenne dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich zur Rechten, oder willst du zur Rechten, so will ich zur Linken. Da hob Lot seine Augen auf und sah die ganze Gegend am Jordan, dass sie wasserreich war. Denn bevor der HERR Sodom und Gomorra vernichtete, war sie bis nach Zoar hin wie der Garten des HERRN, gleichwie Ägyptenland. Da erwählte sich Lot die ganze Gegend am Jordan und zog nach Osten. Also trennte sich ein Bruder von dem andern.
1. Mose 13,1−11 (Hier gelesen von Helge Heynold)

Liebe Verspielte,

wer von Ihnen aufmerksam und ununterbrochen meine Briefe seit einem Jahr verfolgt, wird heute vielleicht angesichts des Bibeltextes gestutzt haben: „War das nicht schon einmal der Wochentext?“ In der Tat habe ich über die heutige Geschichte schon einmal eine Zuversichtsmail geschrieben. Diesmal allerdings wurde der Text als Teil der neuen „7 Wochen Ohne“- Aktion ausgesucht. So kommt es für Sie – ebenso wie für mich – zu einer Doppelung. Ich will mich bemühen, dass es nicht lediglich eine Wiederholung wird. Dennoch beginne ich damit, kurz zusammenzufassen, welche Gedanken mir bei der letzten Begegnung mit diesem Text gekommen sind. Mit war der Satz aufgefallen, dass „das Land es nicht ertragen konnte“, dass beide zusammenlebten. Außerdem war ich beeindruckt davon, wie großzügig Abram ist, als er seinem Neffen Lot anbietet, sich einen Teil des Landes auszusuchen. Ich erkannte in dieser Geschichte ein Paradebeispiel für eine gelungene Trennung. Wenn Sie die Mail noch einmal nachlesen möchten, können Sie das unter diesem Link tun.

Was bietet die Geschichte von Abram und Lots Trennung noch an? Wo ist in ihr der Spielraum zu finden? Wo die überwundenen Blockaden? Ich bin diesmal über den letzten Satz gestolpert: „Also trennte sich ein Bruder von dem andern.“ Das stimmt ja nicht so ganz. Sicher, sie gehören derselben Familie und Herkunft an, und darum kann man durchaus sagen, sie seien Brüder. Aber eigentlich ist Abram Lots Onkel, und das macht die Trennung der beiden noch schwieriger, als sie es ohnehin ist.

Abram und seine Frau Sarai haben keine eigenen Kinder. Lot wiederum hat keinen Vater mehr. Darum hat sich Abram seines Neffen angenommen, als wäre der sein eigener Sohn. Ihre gemeinsame Reise hat bereits vor langer Zeit begonnen, als Abrams Vater Terach beschloss, nach dem Tod seines Sohnes und Lots Vater Haran seine Heimat zu verlassen. Dann starb auch Terach, noch bevor man das eigentliche Ziel Kanaan erreichte. Abram setzte die Reise fort, denn Gott hatte ihm versichert, dass das Land Kanaan einmal seinen Nachkommen gehören sollte. So erreichte die Großfamilie mit ihren Zelten und Herden das verheißene Land. Bald aber mussten sie Kanaan schon wieder verlassen, weil das Land von einer Hungersnot heimgesucht wurde. Die Sippe zog darum nach Ägypten. Nun sind sie zurück – mit mehr Tieren und Gefolge als je zuvor, aber immer noch ohne ein Kind für Sarai und Abram. Mittlerweile ist Lot mehr als ein Neffe für die beiden geworden, er ist der potenzielle Erbe von allem, was Abrams Sippe besitzt.

Wenn sich Abram also entschließt, sich von seinem Neffen zu trennen, dann steckt darin auch die Hoffnung, dass sich Gottes Verheißung doch noch erfüllen könnte. Dadurch, dass Abram Lot in eine andere Richtung ziehen lässt, gibt er der Möglichkeit Raum, dass seine eigene Familie weiter besteht. Anstatt sich mit dem Besten zufriedenzugeben, das er hat, macht Abram Platz für das Beste, das noch kommen kann.

Das kann uns ein gutes Beispiel sein, insbesondere in einer Zeit der Einschränkungen. Anstatt dass wir uns in dem vollständig einrichten, was im Moment das Bestmögliche ist, sollten wir daran festhalten, dass es besser kommen soll. Das heißt nicht, dass wir so tun sollen, als wäre alles bereits wieder bestens. Aber wir sollten der Möglichkeit weiterhin Raum lassen, dass es richtig gut kommt. Das heißt auch, dass wir das Zweitbeste weiterhin nicht so behandeln, als sei es das Beste. Wir müssen uns bereithalten, uns von dem zu trennen, was so lange gut ist, bis das Bessere kommt.

Wochenaufgabe: Überlegen Sie, was in Ihrem Leben gerade einen Platz besetzt, der eigentlich für etwas anderes da sein sollte. Der Schreibplatz am Küchentisch? Die Zeit mit Ihren Kindern, die sie eigentlich mit ihren Freundinnen verbringen möchten? Beides hat seine schönen Seiten. Trotzdem ist beides nicht das, was sein soll. Finden Sie Ihr eigenes Zweitbestes, und dann verabschieden Sie sich innerlich davon. Machen Sie dem Guten innerlich klar, dass es einem Besseren weichen wird, wenn die Zeit kommt. Es muss ja nicht eine endgültige und vollständige Trennung sein. Auch Lot und Abram haben einander sicherlich nach ihrer Trennung besucht. Es geht nur darum, dem Zweitbesten nicht so viel Platz zu geben, dass das Beste nicht mehr sein kann.

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche mit noch besseren Gedanken!

Ihr Frank Muchlinsky

Wie in jeder Woche erinnere ich auch diesmal wieder daran: Wenn Sie am Online-Bibliolog am Freitag teilnehmen möchten, müssen Sie sich unter diesem Link anmelden, auch wenn Sie bereits einmal teilgenommen haben.