Fastenmail: Woche 1 „Alles auf Anfang”

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Isabela Pacini

Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war … Als Gott dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, da war ich beständig bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.
Sprüche 8,23.29–31 (Hier vorgelesen von Helge Heynold)

Liebe Verzichtsprofis,

herzlich willkommen zur neuen Staffel von „7 Wochen Ohne“! Letztes Jahr war es noch Zufall, dass das Motto „Zuversicht“ so ausgesprochen gut zur ausbrechenden Pandemie passte. Diesmal ist das Motto Absicht. Mitten in der weltweiten Blockade wollen wir schauen, an welchen Stellen wir auf kleinere Blockaden verzichten können. Es geht darum, den Spielraum zu entdecken, die kleine Lücke, die Bewegung zulässt. Außerdem können wir uns sieben Wochen lang Strategien überlegen, wie wir ein paar kleine Blockaden auflösen oder wegräumen können.

Bei unserem spielerischen Blockadefasten begleiten uns bis Ostern wieder Bibeltexte, die auch die einzelnen Wochenthemen vorgeben. Das Thema lautet diesmal: „Alles auf Anfang“, weil die Bibelstelle für diese Woche am Anfang aller Zeit spielt, in der Zeit, als die Welt erschaffen wurde. Es spricht in diesem Text die Weisheit höchst persönlich. Sie ist sozusagen die Hauptdarstellerin im Buch der Sprüche. Frau Weisheit erzählt von sich, von ihren Bemühungen, die Menschen zur Vernunft zu bringen. Ihre Partnerin ist die Klugheit, ihre Gegenspielerin die Torheit. Die Weisheit mahnt immer wieder, das Richtige zu tun, während die Torheit gern mal beide Augen zudrückt.

Wer nun aber meint, die Weisheit wäre unattraktiv, langweilig und verkniffen, weil sie ständig den Zeigefinger hebt, irrt sich. Sie kommt verführerisch daher. Sie kocht, tischt auf, lädt ein, schenkt Wein aus. Gern spricht sie von ihrem Mund und ihren Lippen. Sie vergleicht sich mit Perlen, Gold und Silber. Ohne Frau Weisheit können Könige nicht regieren, wer sie findet, findet das Leben.

Frau Weisheit war schon da, als Gott aus Chaos ein bewohnbares Universum machte. Als Gott Grenzen setzte, war sie dabei, sagt unser Text für diese Woche. Schöpfung ist nach biblischem Verständnis vor allem ein Akt des Ordnens und Begrenzens. Gott setzt dem Chaos seine Grenzen, damit Leben entstehen kann, wo das Chaos gebannt ist. Erst wenn das Wasser nicht mehr alles überfluten kann, wenn die Erde steht und die Zeit gleichmäßig verläuft, kann Leben gedeihen. Und während Gott all das ordnet, ist die Weisheit bei ihm, sie „spielt“ vor ihm und an allen Enden der Erde. Sie spielt und hat Freude an den Menschen, wie sie selbst Gottes Freude ist.

Ich mag dieses Bild einer verspielten Weisheit, die Gott zur Seite steht, während er die Welt ordnet. Wenn die Weisheit auf dem Erdkreis spielt, dann – so stelle ich es mir vor – bleibt die Welt beweglich. Einerseits gelten die Gesetze, die Gott seiner Schöpfung gibt. Naturgesetze, klare Grenzen und Regeln. Andererseits war da eben Weisheit im Spiel. Die Welt wird nicht starr, sondern sie bleibt in Bewegung.

Diese Vorstellung einer Welt, die in Grenzen beweglich bleibt, kann in der gegenwärtigen Situation helfen. Die Regeln, die uns gerade so einschränken, sind ebenfalls dazu da, das Chaos zu bannen. Sie machen das Leben innerhalb unserer Grenzen möglich, und darum sind sie weise, auch wenn sie nicht von Gott oder Frau Weisheit persönlich stammen. Man kann prächtig darüber diskutieren, welche Maßnahmen die besten sind, die Pandemie zu bekämpfen, aber schon die Diskussion darüber sollte uns deutlich machen, dass wir noch Spielraum haben. Innerhalb unserer Grenzen kann die Weisheit spielen und schauen, was noch möglich ist. Und daran können und dürfen wir Lust empfinden, wie die Weisheit selbst. Die erste Blockade, die wir fasten sollten, ist darum die in unseren Köpfen und Herzen, die uns einreden will, dass ohnehin nichts mehr geht. Wer nach Spielraum sucht, wird ihn auch finden.

Ich gebe Ihnen wieder – oder weiterhin, wenn Sie meine Briefe seit einem Jahr lesen – eine wöchentliche Aufgabe auf. Bitte verstehen Sie diese Aufgabe als Anregung! Sollten Sie sich nicht in der Lage sehen, die jeweilige Wochenaufgabe zu erfüllen, dann wird das seine Gründe haben. Also, Wochenaufgabe eins: Spielen Sie in dieser Woche mindestens einmal ein Spiel! Spielen Sie am besten zusammen mit jemand anderem, aber wenn das nicht möglich ist, spielen Sie eine Patience. Nehmen Sie sich die Zeit! Ich persönlich schlage Malefiz vor, denn das ist der erste Treffer, wenn man „Spiel“ und „Blockade“ googelt.

Ich wünsche Ihnen Weisheit mit Spaß!

Ihr Frank Muchlinsky