Fastenmail 7: Neu vertrauen

Julia Sellmann

Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer! Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst. Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!
Johannes 21,15–19, hier vorgelesen von Helge Heynold

Ihr Lieben in der Schlussrunde,

freuen Sie sich bereits auf Ostern? Es ist immer noch so eine schwierige Zeit. Einerseits herrschen immer noch Angst vor Krieg und Krankheit, andererseits bricht sich der Frühling endgültig Bahn und wir können wieder zusammenkommen und aus voller Kehle „Christ ist erstanden“ singen. Noch ist es nicht so weit, aber wie üblich gönnen wir uns in der letzten der „7 Wochen Ohne“ einen kleinen Ausblick auf Ostern. Dort gehört das Gespräch zwischen Petrus und Jesus hin, das für heute ausgesucht wurde. Es ist ein merkwürdiges Gespräch. Man mag kaum zuhören, wie der eine dem anderen dreimal seine Liebe erklären muss. Und was soll das mit den Schafen und dieser Prophezeiung? Um zu verstehen, worum es hier geht, muss man ein wenig weiter vorn anfangen, und zwar vor Ostern.

Petrus hat nämlich etwas wiedergutzumachen, das er ein paar Tage vor diesem Gespräch verbockt hat. Die Art, wie der Evangelist Johannes dieses Gespräch der beiden wiedergibt, lässt keinen Zweifel offen: Jesus spielt darauf an, dass Petrus ihn verleugnet hat. „Dreimal, bevor der Hahn kräht, wirst du sagen, dass du mich nicht kennst“, hatte Jesus vor seiner Gefangennahme prophezeit, und er hatte recht behalten. Während Jesus verhört wurde, verneinte Petrus dreimal, ihn zu kennen. Es folgte die Hinrichtung Jesu und zwei Nächte später die Auferstehung und damit das Wiedersehen der beiden. Wäre die Szene nicht aus der Bibel, sondern aus einem zeitgenössischen Film, dann würden wir als Zuschauende der Situation anmerken, wie peinlich sie zumindest für Petrus ist. Johannes aber gestaltet das Gespräch lediglich so, dass man merken kann, worauf Jesus hier anspielt. Das ist schade, denn so erscheint es, als würde Jesus seinen Freund hier absichtlich schikanieren. Dreimal fragt Jesus seinen Jünger: „Liebst du mich?“, dreimal antwortet er, und es scheint Jesus immer noch nicht zu genügen. Zum einen fordert er Petrus jedes Mal auf: „Weide meine Schafe“ beziehungsweise „Lämmer“, zum anderen macht er nach dem dritten Mal eine düstere Andeutung darüber, dass Petrus einmal den Märtyrertod sterben wird.

Wenn wir uns die Szene ohne theologische Deutungen anschauen, bleibt ein Gespräch übrig, in dem zwei Männer versuchen, nach einer großen Enttäuschung wieder zusammenzukommen. Im Verlauf des Gesprächs wird deutlich: Worte reichen nicht aus, die Beziehung der beiden wieder ins Lot zu bringen. Es braucht Taten. Vielleicht hätte Petrus gleich bei der ersten Aufforderung, „Weide meine Lämmer!“, sagen sollen: „Ja, das werde ich tun.“ Allerdings wären das auch nur Worte gewesen, und Petrus wollte den Mund vielleicht nicht noch einmal zu voll nehmen. Nein, er muss Jesus seine Liebe beweisen, und das kann er nur, indem er sich ab diesem Moment zu ihm bekennt, egal wie gefährlich es wird. So betrachtet klingen die Worte Jesu bedauernd und zärtlich, als er Petrus ankündigt, wohin ihn seine Liebe führen wird: „Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt bist, … [wird] ein anderer ... dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst.“ Die Zeit wird zeigen, dass Petrus Jesus tatsächlich so liebt, wie er es ihm dreimal gesagt hat. Die Beziehung der beiden kann weitergehen.

Meine letzte Wochenaufgabe lautet darum so: Geben Sie einer Beziehung, die sich gerade nicht heil anfühlt, das, was Jesus seiner Beziehung zu Petrus schenkt: einen Vorschuss auf die Zukunft! Dabei können Sie auch so ehrlich sein wie Jesus und nicht nur Worte, sondern auch Taten einfordern. Nur müssen Sie auf die auch warten können. Das ist nicht leicht, aber bedenken Sie das Motto unserer Aktion: Üben!

Liebe Lesegemeinde,

damit verabschiede ich mich für eine längere Zeit von Ihnen. Ich fühle mich Ihnen auf eine sehr besondere Weise verbunden durch die lange Zeit, in der ich Ihnen Fastenmails und Zuversichtsbriefe geschrieben habe. Sie werden wieder von mir hören, da bin ich sicher. Ich möchte Sie noch auf das Angebot der chrismon-Redaktion in unserem Haus hinweisen, das Magazin chrismon plus kostenlos kennenzulernen. Hier ist der entsprechende Link.

Ich sage, „Gott befohlen!“ und wünsche Ihnen eine gesegnete Osterzeit. Gott stärke alles, was den Krieg in der Ukraine und überall auf der Welt beendet! Gott stärke alles, was die Pandemie bekämpft! Gott stärke und bewahre Sie!

Ihr Frank Muchlinsky