Fastenmail 1: Frieden ist unausweichlich

Alexa Vachon

Dies ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, schaute über Juda und Jerusalem. Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!
(Jesaja 2,1−5 in der Übersetzung der Lutherbibel von 2017, hier vorgelesen von Helge Heynold)

Liebe Übungswillige,

die Fastenzeit ist da, die Passionszeit. Es ist die Zeit, die das Christentum eingerichtet hat, damit wir das Leid an uns heranlassen. Das Leiden Jesu wird zum Thema, ebenso wie das Leiden vieler Menschen auf der Welt. Sieben Wochen lang kann man auf das verzichten, was schadet, und üben, Richtiges zu tun. „7 Wochen Ohne“ gibt dazu in jedem Jahr ein neues Motto heraus, unter dem man diese Zeit erleben kann. „Üben! Sieben Wochen ohne Stillstand“ lautet das Motto in diesem Jahr. Dann wird auf einmal ein Krieg angezettelt, und man wünscht sich vor allem einen Stillstand des Kampfes. Das Motto erscheint auf einmal fehl am Platz. Aber Stillstand kann selbst im Krieg nicht das Ziel sein. Ein Waffenstillstand ist lediglich eine Unterbrechung des Krieges, nicht sein Ende. Wer ein Ende des Krieges will, muss Frieden machen, und Frieden muss man – wie alles andere auch – üben.

Wie das Motto von „7 Wochen Ohne“ werden auch die Bibeltexte für die einzelnen Wochen mehrere Monate im Voraus ausgesucht. Für diese Woche fiel die Wahl ausgerechnet auf eine der schönsten Visionen vom Frieden, die ich kenne. Es ist das Bild eines wahrhaftigen Weltfriedens, und es lohnt sich, die Details dieses Bildes zu betrachten, um zu entdecken, was es für den Frieden braucht, damit wir mit dem Üben loslegen können.

Schauplatz des großen Friedenstextes ist Jerusalem. Das allein ist bereits gleichermaßen wunderbar wie utopisch. Ausgerechnet nach Jerusalem kommen die Völker der Welt, um Frieden zu lernen! Ähnlich unvorstellbar wie heute war das bereits zu Jesajas Zeiten. Ständig war Jerusalem von Krieg bedroht. Für Jesaja stand fest, dass daran die eigene Bevölkerung Schuld trägt, weil sie sich nicht an die Weisungen ihres Gottes hielt. Die Gottesdienste waren sinnlos in Jesajas Augen, sinnlos und hohl. Warum sollte Gott auf Gebete hören, wenn die Betenden gleichzeitig andere Menschen unterdrücken und ausbeuten?

Aber dann schaut Jesaja voraus, weit voraus auf die „letzte Zeit“. Letzten Endes wird alle Welt die Weisungen des Gottes lernen wollen, der in Jerusalem verehrt wird. Die gesamte Menschheit wird sich auf den Weg machen, weil sie auf Gottes Weg gehen wollen. Zion, der Gottesberg, auf dem der Tempel steht, wird wie ein Leuchtturm sein, überall sichtbar. Alle Welt strömt nach Jerusalem, um sich dort unterrichten zu lassen. Und Gott unterrichtet sie. Dabei weist er deutlich auf die gemachten Fehler hin. Er wird „richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker“. Aber das geschieht nicht, um zu bestrafen, sondern damit alle es besser machen können. Die Nationen kommen freiwillig und lassen sich aus freien Stücken zurechtweisen: „Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg Gottes“, sagen sie.

Sie alle wollen sich üben in dem, was gut ist und richtig in Gottes Augen, und das Resultat ist, dass sie Waffen zu landwirtschaftlichen Geräten „upcyceln“. Die Kreativität der Menschheit für das Leben eingesetzt, weil man verlernt, zu töten. Der Krieg stirbt aus, weil man ihn nicht mehr übt. Und spätestens dann, so Jesaja, werden auch die Einheimischen in Jerusalem lernen, wie gut es ist, „im Licht Gottes zu wandeln“. Darauf läuft alles hinaus, sagt Jesaja zu seinem Volk, während sich gerade feindliche Großmächte daran machen, das Land einzunehmen. Am Ende werden alle verstehen und üben, was gut und richtig ist. Und er fordert sein Volk auf: Also, worauf wartet ihr? Ihr wisst bereits, was es braucht. Die anderen müssen erst nach Jerusalem kommen, um es zu erfahren, aber ihr könnt bereits im Licht Gottes wandeln.

Der Frieden ist unausweichlich. Darum lassen Sie uns anfangen, für ihn zu üben! Wie üblich gebe ich uns allen eine Aufgabe für die kommende Woche und darüber hinaus, wenn Sie mögen: Fassen Sie Ihr persönliches Friedensziel ins Auge. Was können Sie üben, das dem Frieden hilft? Welche Weisung, welche Regel oder welchen Tipp kennen Sie, die Sie lange nicht beherzigt haben? Nehmen Sie sich etwas vor und fangen Sie an zu üben!

Wenn Sie noch mehr in die richtige Stimmung kommen möchten, empfehle ich Ihnen den Besuch unserer Facebook-Fastengruppe, in der wir unter anderem immer mittwochs um 18:30 Uhr eine Online-Andacht feiern. Und wenn Sie sich noch weiter in der Friedensvision von Jesaja umsehen möchten, können Sie das bei unserem großen Online-Bibliolog am kommenden Freitag tun. Unter diesem Link können Sie sich dazu anmelden.

Gott behüte Sie!

Ihr Frank Muchlinsky